Filme als Sündenbock

Veröffentlicht auf von Travis


Von Michael Kunczik

Politiker neigen dazu, das Fernsehen als Sündenbock aufzubauen und als Hauptverantwortlichen für eine angebliche Verrohung der Gesellschaft hinzustellen. Mit dieser Fixierung auf die Medien wird zugleich davon abgelenkt, daß zur Bekämpfung der tatsächlichen Ursachen von Gewalt (Armut, Arbeitslosigkeit, mangelnde Zukunftsperspektiven etcetera) nicht genügend getan worden ist beziehungsweise mehr getan werden könnte. Dies ist, wie der Medienforscher W. Nutz zutreffend herausstellt, ein wichtiger Aspekt der Gewaltdiskussion. Nutz unterstellt dem gesamten Bereich der Erforschung medialer Gewalt eine vollkommen falsche Fragestellung: "Es ist fast unverständlich, wieso Berufene und Unberufene sich ständig gebetsmühlenhaft zu der Verdammung der Gewalt in den Medien in einer Art strukturierter Liturgie zusammenrotten, ohne auch nur im Entferntesten daran zu denken, der realen Gewalt ernsthaft den Kampf anzusagen. Eine Gewalt-in-den-Medien-Forschung ohne eine enge Kooperation in der Gewalt-in-der-Realität-Forschung ist schlicht ein Unding."

Damit soll keine Verharmlosung negativer Effekte erfolgen, aber RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma hat recht, wenn er meint: "Sicherlich ist es ganz einfach zu sagen: hier Gewaltdarstellung, daher dort Gewaltausübung. Wahrscheinlich stimmt das nicht so. Die größten Gewalttäter dieses Jahrhunderts waren vermutlich exzessive Konsumenten von Heimatfilmen oder anderen Schmalzkomödien ."

Den ganzen Artikel von Michael Kunczik findet hier hier


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Veröffentlicht in Medien -Tipps & Wissenswertes

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P
<br /> Mit solchen vernübftigen Artikeln können Politiker aber keine Stimmung machen. Ich glaube ja nicht mal wirklich, dass mancher Politiker, der gegen Gewaltdarstellungen wetzt, dies tatsächlich so<br /> meint... Es ist alles nur billiger Populismus.<br /> <br /> <br />
Antworten
T
<br /> Auf jeden Fall! Die meisten unserer Staatsvertreter haben außer populistischen Phrasen rhetorisch nicht wirklich viel zu bieten, wenn es um Gewalt in den Medien geht. Zitat von Chabrol: "Der Film<br /> ist kein Gewehr".<br /> <br /> <br />